Einsendungen Textilkunst 2015, Preisträger 2015

My Boyfriend was a Cub Scout 1- Edda W., Hannover

Kostüm1_imageDieses Kostüm, bestehend aus einem lässigen Hemd-Overall und einem Oversized-Parka steht symbolisch für den spielerischen Umgang mit dem Thema Freundschaft, dem Verliebtsein und der Symbolsprache von Pfadfindergruppen.
Die gerade geschnittene Jacke zeichnet sich durch eine klare Formsprache aus, unterstützt durch die eckigen aufgesetzten Taschen und Teilungsnähte. Dieser erste Eindruck des Parkas wird jedoch durch ein überraschendes Detail im Rückteil gebrochen: die übergroße Kapuze in Form eines Bärenkopfes.

Das Motiv dieses aufwendig gearbeiteten Patchworks spielt auf die Symbolsprache von Pfadfindergruppen an, welche Tiermotive als Erkennungszeichen, als Symbole gemeinsamer Identitäten verwenden. Materialfundstücke für den Parka sind ein gebrauchtes Zelt, ausgetragene Jeanshosen und für das Jackenfutter ein Polstermaterial in Steppoptik. Der Overall zeichnet sich durch einen Unisex-Schnitt aus. Die Hemdform des Oberteils wird durch die Knopfleiste ergänzt, der Rundhalsausschnitt bricht mit der „Formalität“ eines klassischen Hemdes und macht den Overall in Kombination mit der kurzen, tiefsitzenden Hose zu einem lässigen Streetwear-Outfit. Die verwendeten Textilien waren ursprünglich ein Herrenhemd und eine Damenhose. Muster und Farbe greifen die sepiafarbene Welt der 60er Jahre von Wes Andersons Film Moonrise Kingdom auf.

Bei den Fotos möchte ich darauf hinweisen, dass bei den Lookbook-Bildern als Credits „Fotoformplus“ und bei dem Image-Bildern „Patricia Kühfuss“ zu nennen sind.

Kollektion My Boyfriend was a Cub Scout Design Edda Wielert

Inspiration
Die Kostüm-Kollektion My Boyfriend was a Cub Scout ist ein Statement für Nachhaltigkeit; ein Statement für den bewussten Umgang mit Ressourcen verknüpft mit avantgardistischem Kostümdesign. Verwendet werden Materialien, die bereits einen Lebensabschnitt hinter sich gelassen haben: recycelte Kleidung sowie ungewohnte Textilien wie Zelte und Wäscheleinen. Mit surrealer Motiv- und Formsprache – inspiriert von Wes Andersons Film Moonrise Kingdom – möchte ich mit meinen Kostümen die Routinen des Alltags hinterfragen, ebenso wie die Hauptfiguren des Films.

„Wie wollen wir leben?“ Vor dieser Frage stehen Sam und Suzy – die beiden Teenanger aus Wes Andersons Film Moonrise Kingdom. Sie entscheiden sich dazu, der fragwürdigen und konventionsbehafteten Welt der Erwachsenen zu entfliehen; sie brechen auf, um ein selbstbestimmtes, freies Leben außerhalb der Routine zu führen. Die wunderschön skurrile Geschichte um den Pfadfinderjungen Sam und seine eigensinnige Freundin Suzy dient als Inspiration für diese Kostüme. Es geht um das Finden, das Sammeln und das Bewahren von Erinnerungen, Freundschaften und Lieblingsstücken. Das Reizvolle daran ist die persönliche Aneignung: Wir machen uns etwas zu eigen und verändern dadurch seine Konnotation. Diese Umfunktionierung ist auch im Bereich des Materials ein wesentlicher Punkt bei diesen Kostümen. Durch das Recyceln von ungewöhnlichen Materialien tritt auch die textile Optik der Outfits aus dem Gewohnten hervor.

Material/UPcycling
Wir müssen umdenken.
Das nachhaltige und bewusste Handeln mit Ressourcen ist die Grundlage für die Materialauswahl meiner Arbeit. Aufbauend auf dem Prinzip Slow Fashion ist meine Arbeit daher darauf ausgerichtet den Lebenszyklus von Materialien zu verlängern und das Bewusstsein im Umgang mit Textilien zu stärken. Der Ansatz besteht darin mittels UPcycling bestehende Produkte weiterzuverarbeiten und sie damit vor der Entsorgung zu bewahren. Die Outfits sind ausschließlich aus Stoffresten, alter Kleidung und für Bekleidung unüblichen Textilien wie Zelten, Decken, Wäschekordeln etc. hergestellt und mit Motivprints und aufwendigen Stickereien veredelt. Das Besondere an den Kostümen ist, dass die Stoffe und Materialien eine eigene Geschichte mitbringen. Indem charakteristische Merkmale wie bspw. Verschlüsse oder Nähte der recycelten Produkte teilweise erhalten bleiben, geben die neuen entwickelten Kostüme Hinweise auf eine Vergangenheit. Diese Informationen sollen den Verbraucher emotional mit in das Produkt einbeziehen – und helfen, ein stärkeres Bewusstsein dafür zu entwickeln.


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