Einsendungen Kostüm-Design 2015, Preisträger 2015

Spiegelkönigin – Christine S., Mittergars

P1190130Gerade noch rechtzeitig für einen großen Rosenmontagsball habe ich gestern Abend die letzten Nähte und Stiche an meine Spiegelkönigin gesetzt. Lasst mich ein bisschen von dem Herstellungsprozess erzählen….ich bin gespannt ob es Euch gefällt :-).
Ich denke viele kennen den zugegeben schon etwas ältern Film „Brothers Grimm“. In diesem Märchenfilm geht es u.a. ja um die Gebrüder Grimm, die den Kampf gegen die schöne, aber tief-böse Spiegelkönigin aufnehmen. Mein Kleid ist auch nur der Versuch eine Annäherung, ich träume schon so lange von diesem Kleid und nun habe ich es endlich in meinem Kostümfundus!


Vorweg sei noch erwähnt dass ich keine Puppe mit Kopf habe, daher habe ich für ein paar Bilder einen Perückenkopf auf meine Schneiderpuppe geklebt…es ist nicht optimal aber für die Fotos geht es schon!

Hörnerhaube:

Für die Haube habe ich zuerst ein Gerüst aus KobraCast gebaut. KobraCast ist ein thermoaktiver Kunststoff der mit dem Heißluftfön erhitzt wird und dann in Form gebracht werden kann. Er ist sehr leicht und nach dem wieder aushärten recht widerstandsfähig. Dieses Gerüst klebte ich dann an das breite untere „Band“, das dann am Kopf anliegt. Als alles hielt habe ich zuerst zwei Lagen steifen Tüllstoff darüber gezogen, um den Stoff danach besser festnähen zu können. Über diesen Tüll kam dann goldener Crashtaft (den habe ich mit ganz vielen Haushaltsgummis, Wasser und meinem Trockner auch selbst gecrasht). Es war sehr mühevoll den Stoff auch wirklich fest zu nähen, das hat zwei Abende verschlungen. Als der Stoff dann endlich saß kamen die Verzierungen aus Bändern, Metallborten (die Blüten) und unzähligen Perlen und Steinchen. Einige Stunden nach Beginn der Verzier-Arbeiten und auch einigen Brandblasen vom Heißkleber später war die Haube dann fast komplett. Erst ganz zum Schluss fügte ich die goldenen Segmente in der Mitte hinten und vorne ein, diese sind aus Karton und Worbla gemacht und dann einfach festgeklebt. Verziert wurden beide Teile mit Metallapplikationen, Perlen und Schmucksteinchen in rot sowie den Resten der Metallblüten – Borte.


Ohrhacken:

Die Ohrhacken waren eine besondere Herausforderung für mich da ich noch nie Schmuck selber gemacht hatte. Der Ohrschmuck besteht aus Glaswachsperlen in Gold, Rot und Creme, Metallperlen in verschiedenen Größen und Formen sowie hübschen „Kordelstoppern“ in altgold. Aufgefädelt habe ich das alles auf eine extra reißfeste Schmuckschnur aus Nylon. Ich machte Ober-und Unterteil seperat und erst als beide Stücke fertig waren fügte ich sie mit dem ovalen Metallornament zusammen. Die beiden Metallornamente in der Mitte stammen von einem alten Buchbeschlag und waren vorher kupfer farben. Ich habe sie mit etwas Acryllack in Gold einfach an meine Goldtöne angepasst 🙂

Oberkleid:

Das Oberkleid besteht aus Crashsamt und vielen Metern herrlicher Sariborte. Die vielen perlenbestickten Verzierungen vorne habe ich ebenfalls aus alten indischen Saris herausgeschnitten und dort per Hand angenäht.
Hinten und vorn habe ich eine wunderschöne golden bestickte Sariborte aufgebracht, der Rest des Georgette-Saris wurde dann am Unterkleid vernäht 🙂
Da der Samt leicht stretcht habe ich an dem Oberkleid alle Kanten per Hand genäht (Ausschnitt, Armlöcher ectr.) da er sich in der Maschine zu sehr verzogen hätte. Hinten hat das Kleid eine sehr lange und sehr breite Schleppe, allein nur im Rückenteil des Oberkleides stecken 6,20 Meter Stoff! Geschlossen wird es vorn mit einer Schnürung, dafür habe ich 20 kleine Samtlaschen genäht und diese per Hand ins Kleid genäht. Anstatt einer normalen Schnur habe ich eine goldene Metallkordel eingezogen.

Unterkleid:

Das Unterkleid ist aufwendiger als das Oberkleid, es hatte nämlich etwas von Puzzle-Bauen! Vor allem das Perlennetz am Oberarm hat mich viele, viele Stunden gekostet. Ich bin hier ein bisschen von der Vorlage abgewichen, ich musste ein bisschen improvisieren, auch in Sachen Perlen-Geflecht bin ich ein Neuling und habe daher ein einfacheres Muster gewählt. Aber auch so sind pro Arm gut 850 Perlen verbastelt worden, für beide Arme also gut 1700 Stück. Dieses Geflecht habe ich gleich mit den eng anliegenden inneren Ärmeln vernäht damit es nicht mehr aufgeht oder sonst wie beschädigt wird.
Die weißen Unterärmel bestehen aus einem Baumwoll-Metallic Mischgewebe. Ich habe den Stoff dann nochmal mit einer Lager glitzernder Tissue-Seide (80% Metall, 20% Seide) überzogen. Geschlossen werden die eng anliegenden Ärmel über eine Schnürung. Unten am Ärmelabschluss glitzern große Perlen und eine hübsche Rüschenborte, die ich auch am Ausschnitt und am Stehkragen verwendet habe.
Am Ausschnitt sitzt ebenfalls eine Schnürung, diese habe ich genauso gemacht wie die am roten Samtkleid, nur, dass ich hier eben weiße Laschen verwendet habe 🙂
Im unteren Teil ist das Kleid nicht weiß sondern rot, da man es unter dem sehr hoch geschlitzten Oberkleid hrausblitzen sieht. Für diesen Teil nahm ich karminroten Satin, und den Rest vom roten Sari, aus dem ich die Borte für das Oberkleid geschnitten hatte. Damit bekam das Unterkleid hier zwei Lagen, einmal Satin und darüber den Georgette-Stoff der zusätzlich noch mit altgoldenen Stickerein besetzt ist.
Am engen Ärmel angesetzt (etwa auf Höhe des Ellbogens) wurde dann der lange Samtärmel. Die beiden langen Ärmel haben je eine Länge von 2,50 Metern. Gefüttert sind sie mit orange-pfirsich farbenen Taft, der üppig mit Pailletten bestickt ist. Oberhalt des Ellbogens sitzen Sari-Applikationen und je 3 Perlen.
Ich habe die Bögen alle mit Hilfe einer Halbmond-Schablone angezeichnet, ausgeschnitten, den roten Samt um den Taft geschlagen und die beiden Stoffe dann an den Bögen entlang per Hand miteiander vernäht. Man sieht so eigentlich keine Naht, von beiden Seite nicht. Als alles vernäht war, nähte ich diese langen Ärmel an die Oberärmel. Zuletzt wurde sie noch umgeschlagen und dort mit ein paar Stichen fixiert.
Der Kragen besteht aus Baumwoll-Metallic Stoff in den 6 Drähte eingenäht sind.

Gürtel, Schuhe und Tasche:

Für die Schuhe nahm ich alte rote Pumps, die ich mal unbedingt haben musste, dann aber nie getragen habe. Jetzt bekamen sie mit Schmucksteinkleber und den gleichen Applikationen wie an der Ärmeln ein neues Leben!
Gürtel: Besteht aus 25 Metern rote Kordel und dicker Wolle sowie vielen kleinen Metallapplikationen die ich einfach mit Heißkleber festgeklebt habe. Darauf kamen noch rote Schmucksteinchen. Damit sich die Kordel nicht aufdröselt habe ich an jedes Ende einen „Kordelstopper“ geklebt.
Tasche: Die Tasche habe ich aus Resten gemacht. Es sind je 2 Rechtecke aus Samt und zwei aus Taftstoff. Oben habe ich einen Tunnel für die rote Korde genäht. Damit die Tasche zum prunkvollen Kleid passt habe ich auch auf der Tasche nochmal Sari-Appliaktionen vernäht.

Material insgesamt:
12 Meter Crashsamt in rot
2,5 Meter Taft mit Pailletten
2 indische, alte Saris
5 Meter Sariborte
Unzählige Perlen, Metallperlen, Draht usw…
2 Meter Satin in karminrot
2 Meter Baumwoll-Metallicgewebe
50 cm Tissue Seide
diverse Meter Borten und Kordeln….
Metallornamente und Kordelstopper
2 Meter Taft in Gold


Weitere Einsendung: Monarchfalter


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2 Kommentare zu “Spiegelkönigin – Christine S., Mittergars

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