Einsendungen Kostüm-Design 2015, Preisträger 2015

Die Herzogin – Marja K., Dortmund

RococoBildFranzösische 1740er „Robe à la francaise“ angelehnt an den Film „ Die Herzogin“, gedreht 2008 nach dem Buch „Georgia, Duchess of Devonshire“ von Amanda Forman. Regie führte Saul Dibb Kostümbildner Michael o `Connor erhielt für die Kleider 2009 den Oscar.

Dieser Entwurf erwies sich als wahre Herausforderung. Um ein Bild für Georgia Lady Spencer zu entwerfen, bedurfte es eine Stoffmenge von circa 22 Metern. Rokokokleider nach historischem Vorbild zu nähen ist sehr zeitaufwendig, da es kaum Schnittvorlagen für diese Art von Kleidern Anfang des 17. Jahrhunderts gibt, die auch den Anspruch haben, ihrer Vorlage gerecht zu werden.Die Schauspielerin Keira Knightley ist eine sehr zarte Frau, die hervorragend in diese Mode passt. Umgesetzt auf meine Figur, 185 groß und Kleidergröße 44 ist dies zunächst eine Rechenaufgabe für die Beschaffung des Stoffes.

Durch Zufall entdeckte ich 2011 in Paris alte Seidenripsvorhänge, die wohl Anfang des 19. Jahrhunderts in einem Pariser Salon gehangen haben und eine Stoffmenge von circa 16 Metern hatten. Bedruckt mit dem Reprint von dem beliebten Rokokomotiv der Pastellpapageien, wurde dies der ideale Ausgangsstoff. Das Unterkleid entstand aus einem alten Stück westfälischem Wäscheleinen, (ca. 1860), welches ich mich handgehäkelter Spitze von einem Flohmarktfund versehen habe.

Über dem Rokokoposchen, dem Untergestell, (angefertigt nach einem Schnittmuster von Simplicity 3635) kommt zunächst ein fester Petticoat der Unterock, der nach einer Vorlage aus dem Buch „ Historical Fashion in detail“ von Avril Hart gefertigt wurde, hierzu verwendete ich 8 Meter festen Baumwollchintz in Dunkelflieder. Das Nähen der Glockenförmigen Seiten hat mich 40 Arbeitsstunden gekostet, alles in Handarbeit.

Im nächsten Schritt musste der sichtbare Rock gefertigt werden, der an den Seiten durchfassend zu dem Poschen kombiniert wurde. Für den Unterrock habe ich 8 Meter des Seidenstoffes verwendet, damit das Muster auf dem Vorderdock besser zur Geltung kommt.

Der untere Rock wird mit einem Seidenband um die Taille gebundem, nachdem über dem Poschen noch ein Mieder für die gerade Haltung sorgt. Das Mieder jedoch darf den Stoff nicht zerdrücken.

Der Manteau, der über dem Rock getragen wird und an der vorderen Mitte geschlossen wird, ist seitlich bis zur hinteren Mittel mit Brautsatin gefüttert, damit das Kleid, wenn es bei der Bewegung aufschwingt, die nötigte Schwere hat um nicht zu zerknittern.

Die gesamte Weite des Rocksaumes und des Saumes an den Seiten habe ich mit Seidenfaden unter zur Hilfenahme einer Kupfernadel umstochen. Das Oberteil des Manteaus wurde zur Festigkeit mit Einlagestoff und sechs Metallmiederstäben unterlegt. Der Halsausschnitt ist verziert mit einem einfachen Rüschenband, da die Verzierungen an der Vorderen Mitte sehr üppig ausfallen. Die vordere Mitte ist mit Haken und Ösen zu schließen und wurde ebenfalls eng mit Seidenfaden umstochen.
Es stellte sich mir die Frage, wie konnte ich an die Üppigkeit der Filmvorlage heranreichen? Der Blickfang hier auf dem Manteau, den ich nach einemBild in dem Buch „Costumes in Detail“ entworfen habe, sind die fünf großen Broschen.

Diese Broschen, handummantelte Swarowski Steine, in denen sich das Licht in einem pastelligen Grün bricht, entsprechen genau den Farben des Oberstoffes und wurden nach meinem Entwurf zusammen mit Sabine Pelz, einer Freundin, gefertigt.

Diese Broschen, unterlegt mit fliederfarbenem Seidenband, korrespondieren auch in dem von mir entworfenen kleinen Damendreispitz und den dazu passenden seidenen Ballschuhen. Die Broschen zeigen die materielle Pracht der Herzogin und auch die Macht der Mode.

Die gesamte Komposition des Kostümes habe ich noch unterstrichen, in dem ich an der Rückseite eine Watteau-Falte mit einer rückwertigen Schleppe eingefügt habe, die ebenfalls von Brautsatin unterfüttert wurde.

Die Falte schwingt hierbei auf, ohne beim Tanz oder gehen die Trägerin zu behindern und fügt sich geschmeidig in das Gesamtbild.

Wegen der glockenförmigen Form nannte man diese Art der Rokokokleider auch Bellshape, da Unterrock und Überrock in einer glockenartigen Form genäht wurden. Diese Form ist jedoch nur in England getragen worden.

Das gesamte Kleid hat ein Stoffgewicht von zirca 7 Kilo, da die vierfache Legung und die Menge des Stoffes das Gewicht vervielfachen.

Auch eine schöne Herausforderung waren die Kaskadenärmel, deren innere Verzierung der sechsfach gefütterten Rüschen einiges an Konstrukion abverlangte.

Der schlanke Ärmel ist ebenfalls mit Brautsatin gefüttert und zunächst in der Innenseite mit einem antiken Tischdeckchen unterlegt, dessen Spitzenbesatz handgeklöppelt ist. An der äußeren Kante habe ich nudefarbene Spitze auf der Creativa in Dortmund entdeckt die hervorragend zum gesamten Bild passte.

Jetzt war noch die Idee eines Hutes gefragt, da die Herzogin nicht ohne Kopfbedeckung das Haus verlies.

Bei diesem Minidreispitz habe ich in der Stoffrose des Hutes ebenfalls die Brosche von der Vorderen Mitte genommen und den Hut noch mit sandfarbenen Straussenfedern verziert.

Auch die Ballschuhe, die ich mir für das Kleid bei dem Filmausstatter Harr Schuhe in München anfertigen lies, habe ich mit den Broschen verziert, damit das Thema der Opulenz sich auch hier wiederholt.

Arbeitszeit: Entwurf ca 15 Stunden
Schnittfertigung
ca 10 Stunden
Handgenäht Hut:
10 Stunden
Handgenäht Kleid :
ca 200 Arbeitsstunden


Weitere Einsendungen: Pride and PrejudiceDas Mädchen mit dem Perlenohrring


 

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9 Kommentare zu “Die Herzogin – Marja K., Dortmund

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