Best of Textilkunst 2017

Schranktüren – Anette D., Kaub

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Schranktüren „Transport“ (upcycling)
Acht unterschiedliche Schranktüren machen aus meinem ursprünglich offenen Küchenregal einen geschlossenen einzigartigen Schrank mit künstlerischen Applikationen. Inspiriert durch Petersons Science-Fiction-Bestseller „Transport“ wollte ich meine Phantasiebilder von fremden, weit entfernten Planeten umsetzen oder andeuten. Unfassbares auf Anfassbares zu reduzieren und damit anschaulich werden zu lassen, lässt mich den meditativen, konzentrierenden Aspekt des Handarbeitens erleben. Im Handarbeiten ist mir in diesem Fall besonders eine der Hauptlinien in Petersons Roman fassbarer und beantwortbar geworden: Wie und wo können und wollen Menschen leben? Welche Umwelt erlebe ich als menschenfreundlich und welche als menschenfeindlich?
Für dieses Erlebnis wurden zunächst aus Pappkartons die Türen zurechtgeschnitten, und mit Resten einer roten Selbstklebefolie Im Chippendale-Muster bezogen. Dann kam mein derzeitiges Lieblingsmaterial zum Zug:
Es handelt sich um schmale weiße PVC-Bänder, mit denen die Zeitungsbündel zusammengehalten werden, die ich frühmorgens an mich nehme. Die Zeitungen werden von mir zu den Abonnenten gebracht. Als Zustellerin bin ich von Montag bis Samstag in der Regel von 4 Uhr bis 5.30 Uhr unterwegs. Haptisch sind die druckfrischen Zeitungen ein Vergnügen. Nach einigen interessanten Recherchen erkenne ich, dass die PVC-Bänder eine Revolution in der Verpackungsindustrie darstellen. Ihre Stabilität, Elastizität, Festigkeit und Leichtigkeit macht etliche Umverpackungen überflüssig, nicht nur im Zeitungswesen. Das Verbinden von Stücken des Bandes stellt allerdings ein Problem da, denn man braucht bisher Hülsen dazu, die unter maschinellem Druck zusammengequetscht werden. Das schränkt ihre Verwendung bei Handarbeiten ein, hilft aber auch die Eigenheit des Materials zu wahren.
Mit Garn umhäkelt, verflochten oder eingewebt lassen sich relativ feste Strukturen einfach bilden, die ihre Form auch über die Zeit hinweg behalten. So konnte ich durch das Material meine durch das Buch angeregten inneren Planeten-Bilder gut umsetzen. Im Buch gibt es hochinteressante Materialstudien zu entdecken. Vor allem das Material, aus dem die Transportkapseln, die im Buch eine Hauptrolle spielen, ist genial erdacht und lässt den Leser sich über physikalische Gegebenheiten gedanklich erheben. Spaß macht mir das Arbeiten mit den PVC-Bändern auch dadurch, dass sie eben nicht „alles mit sich machen lassen“ und deshalb das Material das Ergebnis maßgeblich mitgestaltet.
Gut möglich, dass ich angeregt durch Petersons Fortsetzungsbände noch dem ein oder anderen Möbel zu Leibe rücken werde, um weiter „meine fremden Welten“ zu erforschen.

 Weitere Einsendungen:

Statement-Bänder – Anette D., Kaub

Spielzeug „Origami“ – Anette D., Kaub

Lampenschirm – Anette D., Kaub

Kapuzencape – Anette D., Kaub

Hut – Anette D., Kaub

  Mag ich (Herz anklicken)

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