Best of Textilkunst 2017

Lampe – Im Park – Ute F., Mühltal

IMG_9926 (Bearbeitet) (Copy)Materialien zum Filzen: gefärbte Merinowolle im Vlies oder Kammzug, Olivenseife, kleine Schüssel,Schneebesen, Schere, heißes Wasser

Zubehör: Filznadel, Nähgarn, Sticknadel, Perlen, Perlennadel, Draht, Lampe, Glühbirne

Technik: Plastisches Nassfilzen in der Aufbautechnik


Die Aufbautechnik beim Nassfilzen erfordert ein gutes Augenmaß, dreidimensionales Denken und handwerklich genaue Kenntnisse. Es braucht Erfahrung, um zu wissen wie viel Wolle aufgelegt werden muss und wie sich die Wolle verhält. Der Aufbau beginnt mit der kleinen Wollfaser, vom Mittelpunkt der Figur ausgehend. Durch das Auflegen weiterer Wollschichten wächst die Figur. Jede Wollfaser muss kurz mit Seifenwasser angefilzt werden. Auf diese Weise entsteht mit der Zeit eine dreidimensionale, wabbelige Figur. Sobald der Aufbau beendet ist, beginnt die Phase des Walkens. Zuerst ist das Walken nur in Form eines zarten Streichelns möglich, bis sich die obersten Wollschichten verbunden haben. Danach kann der Druck auf das Gefilzte erhöht werden. Beim Walken wird das Werkstück kleiner und kleiner. Die Wollfasern verdichten sich und gewinnen mehr und mehr an Stabilität. So entsteht eine dreidimensionale Figur, die auch in Bewegung dargestellt werden kann. Nach der Fertigstellung entsteht das Gefühl, ein „Lebewesen“ geschaffen zu haben.

Alle drei Arbeiten habe ich in dieser Technik gearbeitet.

1.Werkstück: Lampe – Im Park

Beschreibung: Eine feine Dame im Mantel führt achtsam ihren Mops an der Leine. Sie ist in einer Drehbewegung und wendet sich ihrem Hund zu. Die Hundeleine ist bewusst locker gehalten. In ihrer Hand hält sie sowohl die Leine, als auch eine der letzten Blumen, die am Wegrand blühen. In der anderen Hand hält sie einen Regenschirm, der sie vor dem Wind schützt. Darauf folgt eine leere Bank, auf der ein Herbstblatt liegt. Eine kleine rotgetiegerte Katze liegt auf einem dicken Ast. Der Baum, auf dem sie liegt trägt nur noch wenige Blätter. Ein Junge in Jeans und gestreiftem Pulli schaukelt. Er lehnt sich nach hinten, seine Beine sind ausgestreckt. Er ist dabei Schwung zu holen. Ein Basset wartet geduldig auf den schaukelnden Jungen. Ein Dalmatiner springt herrenlos umher. Er hat über sich eine Amselfamilie entdeckt. Die Amsel kommt mit einem Wurm im Schnabel zum Füttern angeflogen. Der Hund irritiert sie nicht.

Inspiration: Zunächst hatte ich die Idee eine unmoderne Lampe so umzugestalten, dass ich damit eine Geschichte erzählen kann. Dazu habe ich den Stoff des Lampenschirms vollständig entfernt. Als erstes habe ich mit dem Filzen der feinen Dame und ihrem Hund begonnen. Ich wollte den Wind an ihrem Mantel darstellen und sie in Beziehung zu ihrem Hund zeigen. Die Jahreszeit des Herbstes ist bewusst gewählt. Der Herbst ist der Übergang des Sommers in die kalte Jahreszeit. Auch wir befinden uns politisch und sozial in einem Wandel, wo Sicherheit in Unsicherheit umschlägt, ein vertrautes Miteinander sich in angstbesetzte Begegnungen verwandelt. In diesen unruhigen Zeiten wollte ich ein Gesamtobjekt darstellen, was Ruhe, Zeit, Lebendigkeit, Miteinander und auch ein Nebeneinander zulässt. Der Junge verkörpert das Auf und Ab des Lebens. Er kann sich nur aus eigener Kraft an schubsen. Jeder von uns muss sich immer wieder auf die eigenen Kräfte besinnen und sie sich ins Bewusstsein rufen. Auch der Junge ist nicht allein. Er hat einen geduldigen Basset bei sich. Diese Hunderasse gilt als geduldig und friedfertig – fast komisch. Der Dalmatiner ist das pralle Leben. Er ist wild und verspielt. Er ist herrenlos und frei und springt den Vögeln entgegen. Die Amselfamilie hält zusammen und fühlt sich nicht bedroht. Hier gibt es ein Nebeneinander, wo jeder SEIN darf. Die Bank als Symbol, seinen Platz im Leben zu suchen, zu finden und ihn wieder zu verlassen. Die Farben sind bewusst gewählt und tauchen an den unterschiedlichen Dingen immer wieder auf.

Die Lampe unterlag einem Entstehungs- und Entwicklungsprozess.

Weitere Einsendung(en):

Balanceakt – Ute F., Mühltal

Schwestern – Ute F., Mühltal

 

 

 

 

 

 

 

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