Best of Textilkunst 2017

Fragile, handle with care – Charlotte K., Münster

IMG_7597 (Copy)Material: Leinen

Techniken: Weben, Färben, Nähen

Die Idee:

Bei meinem Werk „Fragile, handle with care!“ handelt es sich um eine textile Installation, mit der ich auf die Nähe der Gegensätze Verbindung und Trennung, sowie Entstehung und Auflösung/Zerstörung, aufmerksam machen möchte. Denn eine Verbindung, ein festes Gebilde, kann sich schnell auch wieder lösen. 

Ein Gewebe besteht aus zwei Fadensystemen, die sich rechtwinklig kreuzen und auf diese Weise miteinander eine Fläche bilden. Kette, bestehend aus Kettfäden, ist die Bezeichnung für die Gesamtheit der längs/senkrecht laufenden Fäden. Der Schuss hingegen verläuft quer zur Länge des Gewebes und legt sich dabei in fester Ordnung über oder unter die Kettfäden. (vgl. Arndt, Erika: Handbuch Weben, 2014, S.50-51) 

Beeindruckend wie durch diese „einfache“ Kreuzung von Kett- und Schussfäden ein festes Gebilde entstehen kann. Im Kehrschluss kommen mir die Fragen: Wie haltbar ist das? Durch welchen Eingriff, welche äußeren Umstände, löst sich die Verbindung wieder? Oder löst es sich irgendwann von ganz allein? Die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewebe war ein ausschlaggebender Moment für den Entstehungsprozess meiner Arbeit, die mich dazu geführt hat die Kett- und Schussfäden mit Verbindung und Trennung/ Entstehung und Auflösung in Beziehung zu setzen. Der Arbeitstitel „Fragile, handle with care!“, übersetzt „Zerbrechlich, mit Vorsicht behandeln!“, soll demnach auf die Fragilität von Verbindungen hindeuten. Zusätzlich handelt es sich bei dem Werk selbst um eine fragile Angelegenheit, es ist nur durch Fäden an der Decke und im Raum befestigt. 

Form, Farbe und Material:

Für die Installation habe ich mich bewusst für die Form eines Kleides entschieden um die Nähe zum Betrachter zu schaffen. Es ist eine bekannte Form in realistischer Größe. Das Kleid steht dabei für Etwas, das uns als Menschen sehr nah ist, uns unmittelbar umgibt. 

Der obere Teil, das feste Gewebe, symbolisiert die Verbindung oder die Entstehung. Etwa ab der Mitte des Kleides wird das Gewebe immer lockerer, die Lücken größer, bis schließlich nur noch die Kettfäden und keine Schussfäden sichtbar sind. Das feste Gewebe, die feste Verbindung, löst sich nach unten hin langsam auf, die Form wird breiter, geht auseinander. Die Fäden die sich vorher so nah waren, so fest miteinander verwoben, verbunden – zusammen ein Ganzes gebildet haben – sieht man zum Boden hin nur noch einzeln nebeneinander. 

Bei der Farbe für das Objekt habe ich mich für die Grundfarbe Blau entschieden, da der Farbton aus der Natur kommt. Ich setze die Farbe  Blau mit Himmel oder Wasser in Verbindung. Der Farbverlauf von hell nach dunkel soll den fließenden, natürlichen Prozess von der Verbindung zur Trennung, von der Entstehung zur Auflösung darstellen. 

Das Gewebe für die Installation ist aus verschiedenen Leinengarnen hergestellt. Für die Kette, bestehend aus 600 Kettfäden in zwei Meter Länge, habe ich ein Mehrfachzwirn in Naturfarbe verwendet. In den unteren, sichtbaren Bereichen habe ich sie mit Textilfarbe bearbeitet. Bei dem Leinen für den Schuss handelt es sich um Einfachzwirn in fünf verschiedenen Farbtönen. Die Enden des Gewebes sind für die Haltbarkeit mit Satinschrägband eingefasst und auf der Rückseite des Kleides ist ein verdeckter Reißverschluss angebracht. Ab der Stelle, wo das Gewebe extrem locker wird, musste ich Lascaux Kleber, einen mit Wasser verdünnbaren Acrylkleber, verwenden um das Verrutschen der Schussfäden zu verhindern. 

Um die Installation im Raum zu befestigen habe ich eine Büste aus Panzerband und Pappe, die mit Füllwatte und Styropor gefüllt ist, hergestellt. Die Büste ist lediglich so lang wie das Oberteil des Kleides (von der oberen Kante bis zur Naht) und sorgt dafür, dass die Form stabil bleibt. An der Büste ist zusätzlich das durchsichtige Band für die Befestigung an der Decke angebracht. Auf dem Boden befinden sich vier Gipsplatten an denen die Kettfäden, mit Hilfe von Heftzecken, befestigt sind. 

Technik:

Das Gewebe für die Installation ist selbst hergestellt. Auf einem Webstuhl, mit zwei Meter Webbreite, habe ich die 1,20 m lange Fläche gewebt. Im letzten Drittel habe ich den Abstand zwischen den Schussfäden immer größer werden lassen. Die Kettfäden sind in zwei verschiedenen Farbtönen mit Textilfarbe bestrichen worden, teilweise schon am Webstuhl, teilweise erst nach Fertigstellung der textilen Fläche. Damit sich die Kettfäden nicht von alleine lösen können, habe ich die Ränder des Gewebes mit Schrägband eingefasst. Um die Fläche in Form des Kleides zu bringen musste ich den Stoff anschließend zerschneiden, an der Büste für die Abnäher abstecken und daraufhin mit der Nähmaschine bearbeiten. Zur Erleichterung von Auf- und Abbau ist auf der Rückseite ein verdeckter Reißverschluss eingenäht. 

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