Best of Textilkunst 2017

Balanceakt – Ute F., Mühltal

IMG_9959 (Bearbeitet) (Copy)Materialien zum Filzen: gefärbte Merinowolle im Vlies oder Kammzug, Olivenseife, kleine Schüssel,Schneebesen, Schere, heißes Wasser

Zubehör: Filznadel, Nähgarn, Sticknadel, Perlen, Perlennadel, Draht, Lampe, Glühbirne

Technik: Plastisches Nassfilzen in der Aufbautechnik


Die Aufbautechnik beim Nassfilzen erfordert ein gutes Augenmaß, dreidimensionales Denken und handwerklich genaue Kenntnisse. Es braucht Erfahrung, um zu wissen wie viel Wolle aufgelegt werden muss und wie sich die Wolle verhält. Der Aufbau beginnt mit der kleinen Wollfaser, vom Mittelpunkt der Figur ausgehend. Durch das Auflegen weiterer Wollschichten wächst die Figur. Jede Wollfaser muss kurz mit Seifenwasser angefilzt werden. Auf diese Weise entsteht mit der Zeit eine dreidimensionale, wabbelige Figur. Sobald der Aufbau beendet ist, beginnt die Phase des Walkens. Zuerst ist das Walken nur in Form eines zarten Streichelns möglich, bis sich die obersten Wollschichten verbunden haben. Danach kann der Druck auf das Gefilzte erhöht werden. Beim Walken wird das Werkstück kleiner und kleiner. Die Wollfasern verdichten sich und gewinnen mehr und mehr an Stabilität. So entsteht eine dreidimensionale Figur, die auch in Bewegung dargestellt werden kann. Nach der Fertigstellung entsteht das Gefühl, ein „Lebewesen“ geschaffen zu haben.

Alle drei Arbeiten habe ich in dieser Technik gearbeitet.

2.Werkstück: Balanceakt

Material zum Filzen: siehe 1. Werkstück

Zubehör: Stoff, Papier, Pompom, 2 Puppenstühle, Porzellantasse und Untertasse

Technik: Plastisches Nassfilzen in der Aufbautechnik

Beschreibung: Zu sehen ist ein gefilzter Braunbär auf einem Stuhl balancierend. Er trägt ein fast durchsichtiges Röckchen, sowie ein lustiges Spitzhütchen auf dem Kopf. Auf Schulter und Kopf balanciert er ebenfalls einen zweiten Polsterstuhl. Darauf wiederum steht ein Basset, der ebenfalls eine Tasse mit Untertasse aus Porzellan auf seinem Kopf balanciert.

Inspiration: Mein Ziel war, etwas nach oben ragend zu bauen. Die Stühle und die Tiere so miteinander in Harmonie zu bringen, dass eine Interaktion entsteht. Der Bär steht für Kraft, Stärke und Ausdauer. Das Röckchen für Leichtigkeit. Da der Rockstoff nur gerissen ist und nicht gesäumt, steht es auch für die Improvisation. Das Spitzhütchen steht stellvertretend für Spaß und Witz. Der Reiz für mich liegt oft in der Verbindung der Gegensätze. Der Polsterstuhl ist das Bindeglied zwischen Bär und Hund. Der Stuhl wird nicht in seiner ursprünglichen Form gebraucht. Er wird entfremdet. Der Hund, wieder ein Basset, strahlt Ruhe aus, sein Blick ist nach oben gerichtet, er konzentriert sich darauf Tasse und Untertasse auf dem Kopf zu halten. Die Gesamtfigur wirkt lustig und gleichzeitig instabil.

Auch ich erlebe das Leben als einen Balanceakt. Um es zu bestehen braucht es Ausdauer, Kraft (innere Stärke) und den Mut immer wieder nach Krisensituationen aufzustehen. Auch hier droht das Kunststück nicht zu gelingen und trotzdem liegt die Kunst auch in der Leichtigkeit und in dem Talent der Improvisation.

Weitere Einsendung(en):

Lampe – Im Park – Ute F., Mühltal

Schwestern – Ute F., Mühltal

 

1 gefällt das (ohne Wettbewerbsrelevanz)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.