Best of Mode-Design 2016, Best of Textilkunst 2016

„Memories in my Dress“ – Sylvia L., Hamburg

outfit-sylvia_lehmann1AJedes Kleidungsstück meiner Kollektion erzählt von Erinnerungen.
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Das Blümchenkleid aus Barcelona.
3 Jahre habe ich es nicht mehr getragen.
Überhaupt hatte ich es nur 1x an. Warum?
Und warum liegt es noch immer in meinem Kleiderschrank?
Ich erinnere mich an seine selbstgemachte Avocadocreme und wie leicht es ihm gelang, das Schöne im Kleinen zu sehen. Ich erinnere mich an den Sommertag, als wir das Blümchenkleid kauften und ich es eigentlich viel zu kurz fand. Ich erinnere mich, wie mit jedem zurückgelegten Kilometer im Flugzeug wieder und wieder meine Liebe schwand.
In das Blümchenkleid aus Barcelona sind so viele Erlebnisse hineingewebt.
Kann ich es je wieder tragen?
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„Memories in my Dress“ transformiert meine gelebte Kleidung zu einer Kollektion, die Erinnerungen und Textilien verarbeitet. Zu einer Mode, die in der Gegenwart ankommt.

Eine stoffliche Transformation von Erinnerungen

Mein Abschlussprojekt 2015 in der Modedesign-Ausbildung an der Modeschule Metzingen ist eine Frühjahr/Sommer-Kollektion für Frauen mit dem Titel „Memories in my Dress“.

In dieser Kollektion verarbeitete ich autobiographischen Plot – auf textile Art und Weise. Dabei steht die gesamte Modelinie im Zeichen des Upcycling.

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Die Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank beherbergen erlebte Momente.

Das Blümchenkleid aus Barcelona, die weiße Gardine aus meinem Heimathaus und die mir geschenkte rot-besprenkelte Jeans aus Abi-Zeiten. In diese Kleidungsstücke sind Erinnerungen eingewoben, die bis in die Gegenwart hineinreichen.

Das Blümchenkleid aus einem kleinen Modeladen in Barcelona. Ich konnte es weder tragen – es passte nicht zu mir, war viel zu kurz. Noch konnte ich es weggeben – mit den darin liegenden Erinnerungen war ich noch nicht versöhnt.

Es gab ein paar unentschlossener Stücke in meinem Schrank. Ich betrachtete diese Kleider und erkannte ihre Bedeutung für mich. Im Prozess löste ich die bestehenden Verbindungen dieser Textilien auf, schnitt Gewebe auseinander und trennte Formen heraus.

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Mit den daraus entsprungenen Erinnerungsfragmenten erschuf ich neue Kleider.

Ich brachte die Stoffstücke systematisch zusammen durch Techniken wie dem Quilten, Patchworken und Weben.

So entstanden aus bedeutender Kleidung, gelebten Textilien und wertvollen Industrieresten ungezwungene und spielerische Jacken, Hosen, Röcke, Kleider und Oberteile meiner Kollektion.

Schriftelemente und symbolhafte Strukturen zeugen von der Bedeutung der ursprünglichen Kleidungsstücke – die Patchwork-Strukturen bilden den Straßenverlauf Barcelonas ab; das mit Jeansstreifen in den Gardinen-Rock eingewebte Wort „shyne“ ist eine Wortschöpfung aus shy und shine.

Angekommen ist die Kollektion in einer Mode mit Freiräumen. Es sind Kleider erwachsen, in denen ich mich wohlfühle, die mich widerspiegeln. Die Taille wird feminin akzentuiert. Bündchen geben Halt und grenzen ab. Die bestimmenden Farben orientieren sich an den Meerestönen. Zart-Rosé und Pink bewirken Harmonie.

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„Memories in my Dress“ transformiert meine getragene Kleidung zu einer Kollektion, die Erinnerungen und Textilien verarbeitet. Zu einer Mode, die in der Gegenwart ankommt.

Hier geht’s zu meinem Blog: https://suchluggage.wordpress.com/

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