Best of Mode-Design 2018, Endrunde 2018

OPEN YOUR I – Look 1 – Daniela H., Lehre

outfit_1aDie vorgelegten Arbeiten sind Teil meiner women‘s wear Abschlusskollektion OPEN YOUR I, welche ich an der Königlichen Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen entworfen und gefertigt habe.

Mein Projekt setzt sich im Wesentlichen mit dem Akt des Ausziehens von Kleidung auseinander.

Es gibt Menschen, die mehrmals täglich aus unterschiedlichen Gründen ihre Kleidung wechseln. In meinem Projekt untersuche ich, in wie weit TrägerInnen durch bewusstes Ablegen und vor Auge führen der Kleidung, den Prozess des ständigen Kleiderwechselns entschleunigen können. Durch dieses Bewusstsein, soll die Signifikanz von Kleidung hervorgehoben werden.

Die bekleidete Menschheit

Wir kleiden uns, um zu zeigen, wie wir uns selbst sehen, um uns angenehm zu fühlen, Hinzugehörigkeit und Wohlbefinden zu erlangen. Das psychologische Ausmaß von Kleidung ist, das sie als eine Art Werkzeug fungiert und wir diese als solches auch nutzen, während wir auf der ständigen Suche nach Identität und unser Selbst sind. Durch sie können wir jemand „sein“, der wir eigentlich gar nicht sind. Wir können diverse Typen darstellen, uns anpassen oder uns abgrenzen. Wie kann Kleidung als materieller Gegenstand noch sichtbarer, relevanter und bedeutungsvoller in unseren Alltag integriert werden, wo sie doch so oft als so selbstverständlich hingenommen wird? Dem eigentlichen Prozess des Kleiderwechselns wird heutzutage – bedingt durch „Fast Fashion“- zu wenig Bedeutung beigemessen, denn es geht zunehmend um Masse, jedoch immer seltener um Qualität und Bewusstsein.

Ziel des Projekts ist es, sich dem Wert und der Wertigkeit von Kleidung bewusster zu werden. Fragen wie: woher die Kleidung stammt, welchen Schnitt, welche Zusammensetzung, welche Gestaltungsdetails und welchen Preis sie hat, sollen auf diese Weise mehr in den Vordergrund rücken.

OPEN YOUR I ist ein Forschungsprojekt, das durch Ausziehen von Kleidung einen Teil der Persönlichkeit des Trägers enthüllt. Kleidung abzustreifen, heißt auch eine zweite „Haut“ vom Körper zu entfernen, die beschützt, wärmt und Wohlbehagen vermittelt. Zudem wird untersucht, inwiefern Körper und Haut mehr in den Fokus rücken und wie sich Kleidung am Körper verhält, wenn sie abzufallen scheint.

Gestalterische Enthüllung der Kollektion

Durch umfangreiches Umstyling, sowohl Aus- als auch wieder Anziehen, wurde eine Silhouette geschaffen, die in jedem der 3 Kreationen den Prozess des Kleiderwechselns darstellt.

Durch den Einsatz verschiedener, zum großen Teil handgefertigter Materialien, sollen Wertigkeit, Langlebigkeit und Einzigartigkeit der Kleidung in den Fokus rücken. In allen Kreationen wurden Seidenqualitäten, Flüssiglatex aus Naturkautschuk und Mohairgarne in Kombination mit Kupferdraht verwendet. Die Farbpalette ist in natürlichen organischen Farben gehalten und reicht von cremefarben, staubfarben, fleischfarben, kupferfarben, durchsichtigem Rauch bis hin zu halb-transparenten Farben. Farbfacetten, die in gewisser Weise mehr oder minder im menschlichen Körper wieder zu finden sind.
 

Look 1:

Hierbei handelt es sich um ein outfit, das komplett aus Flüssiglatex angefertigt ist. Alle einzelnen Kleidungsstücke imitieren Haut im weitesten Sinne. Kleidungsstücke, die einerseits in Elastizität und Nachgiebigkeit echte Haut ausdrücken und andererseits die Haut der Trägerin umhüllen. Haut die sowohl mögliche Schwächen und Unebenheiten der Haut der Trägerin verdecken, als auch frei geben.

Jacke, Hose und Body sind aus verschieden farbigen Latexqualitäten so hergestellt, dass sich unterschiedliche Oberflächenstrukturen ergeben. Diese Oberflächenstrukturen wurden gewonnen, indem Flüssiglatex auf eine metallene Oberfläche mit bestimmter Struktur gegossen wurde und nach dem Trockenprozess abgezogen wurde.

Der Body ist aus cremefarbigem Latex, dessen Struktur an trockene Haut erinnert. Jacke und Hose hingegen sind in einem Streifenmuster hergestellt. Die Jacke hat unscheinbare Seitentaschen und Schlitze an den Ärmeln, umso den Effekt des Ausziehens zu intensivieren. Durch den handgefertigten Latex-Stoff ergeben sich unterschiedlich dicke und dünne Stellen in der Kleidung, die auf diese Weise die Haut der Trägerin durchschimmern lässt.

Weitere Einsendungen:

OPEN YOUR I – Look 2

OPEN YOUR I – Look 3

 

44 gefällt das (ohne Wettbewerbsrelevanz)

7 Kommentare zu “OPEN YOUR I – Look 1 – Daniela H., Lehre

  1. Svea

    Dieses Projekt ist der absolute Wahnsinn. Und kaum im vergleich zu den anderen zu sehen. Oftmals sehen Projekte von Modedesign Studenten sehr gebastelt aus. Aber dieses ist nicht nur im Design herausragend und durchdacht, sondern auch die Verarbeitung lässt große Qualität erkennen. Ich finde die Idee eine Tasche und einen Mantel in einem Stück umzusetzen total innovativ. Zudem finde ich das unglaublich, dass auch so viel Zeit zusätzlich in die Entstehung der Materialien geflossen ist. In den letzten Jahren sah man immer wieder was aus Latex aber so wie in diesem Projekt habe ich das noch nie gesehen. Man kann die Haptik der Stoffe sehr gut auf den Bildern erkennen. Es macht richtig Spaß sich die Bilder anzusehen. Dieses Projekt ist wirklich durch und durch sehr gelungen.

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