Best of Mode-Design 2018, Endrunde 2018

„CLOSE.D Outfit 2“ – Julia G.-M., Trier

Outfit2.1Kontext

Intimität ist ein Zustand tiefster Vertrautheit. Ein Bereich, der uns ganz alleine gehören kann und Außenstehende ausschließt. Sie hat viele Gesichter, die von körperlicher Nähe und Berührungen, bis hin zur Sexualität und Lust reichen.
Die vorliegende Kollektion „CLOSE.D“ beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Thema der emotionalen Intimität, wie wir in der heutigen Zeit mit Intimität umgehen und sie nach außen tragen.

Obwohl wir selbst bestimmen können, ob wir unsere Intimsphäre mit jemandem teilen wollen, macht es manchmal den Anschein, als hätten wir ein Bedürfnis uns zu zeigen und gesehen zu werden. Aufgrund unserer mobilen Gesellschaft sind wir immer auf der Suche nach neuen Formen von Gemeinschaft, die uns Nähe und Gemeinsamkeit kommunizieren. Um möglichst schnell zu diesem Ziel zu gelangen, müssen wir jedoch imstande sein, unsere geschlossene Sphäre des Privaten aufzubrechen und mit der Öffentlichkeit zu teilen. Der Widerspruch zwischen innen und außen, Intimität und Öffentlichkeit verschwimmt. Intimität stellt keinen statischen Zustand mehr da, sondern einen fließenden Prozess, der von wechselseitigem Durchdringen von Verschlossenheit und Offenheit geprägt ist. Die Grenzen von Intimität können je nach Situation anders definiert werden. Sie sind genauso flexibel geworden, wie der Mensch selbst.

Wir gewähren Einblick in unser Innerstes. Gerade genug, um Intimität zu vermitteln. Achtsam genug, um unsere eigene zu schützen.

Intimität

Was bedeutet wahre Intimität? Steckt hinter ihr mehr als nur Körperlichkeit?

Sprechen wir von einer „intimen Beziehung“, gehen wir meistens zuerst davon aus, dass sich die Betroffenen vor allem körperlich sehr nahe stehen, beziehungsweise einen sexuellen Kontakt pflegen. Beleuchten wir den Begriff „Intimität“, stoßen wir auf die Definitionen „sexuelle Handlungen“, „vertrautes, enges Verhältnis“ und „Vertraulichkeit“. Hier zeigt sich, dass beide Komponenten von Bedeutung sind, damit man von wahrer Intimität sprechen kann.

Viele Menschen begehen aber den Fehler zu denken, dass Intimität allein mit körperlicher Nähe gleichzusetzen ist. Der Mensch besitzt aber nicht nur eine körperliche Ebene der Selbstwahrnehmung, sondern auch eine mentale, emotionale und soziale Ebene. Wenn wir also nur unser Bedürfnis nach Körperlichkeit stillen, wird auch nur diese Ebene befriedigt. Die Bedürfnisse der anderen Ebenen bleiben ungestillt, was letztendlich zu Enttäuschung führt. Erst ein Gleichklang aller Bereiche führt zu totaler Offenheit und bedingungslosem Vertrauen, was Intimität letztendlich ausmacht. Dass Intimität nicht immer auf einer körperlichen Ebene beruhen muss, zeigt uns vor allem die Entwicklung der heutigen Vernetzung. Wir können große Distanzen zwischen Freunden, Familie und geliebten Menschen überwinden und ihnen trotz der Entfernung nahe sein. Durch soziale Medien und die Möglichkeit durch Telefon und Handy überall erreichbar zu sein, überwinden wir diese Distanz und schaffen neue, gemeinsame Räume. Wir erschaffen damit eine virtuelle Intimität, die eine direkte Interaktion zu einem anderen Menschen ermöglicht, ohne körperlich im selben Raum sein zu müssen.

Umsetzung

Bei der Kollektionsgestaltung wurde darauf geachtet, dass Materialien verwendet werden, die von der Haptik her, an die Oberfläche von Haut erinnern. Um den Eindruck von künstlicher Intimität zu unterstützten, wurde sich deshalb bewusst für Kunstleder und Softshell entschieden. Es war möglich, in beide Stoffe Muster zu lasern, ohne dass sie an den Außenkanten braun wurden. Die Synthetikfasern sind beim Lasern geschmolzen und haben einen sauberen Kantenverlauf der Muster gewährleistet.
Die gelaserten Muster wurden mit Adobe Illustrator erstellt und sind von dem spiralförmigen Aufbau der DNA und der dabei entstehenden Form der Doppelhelix inspiriert. Dieses organische Muster steht für die Individualität des Menschen. Als Träger der Erbinformation bildet die DNA die materielle Basis der Gene, beziehungsweise fasst die gesamte Erbinformation eines Lebewesens zusammen und bildet den Grundstein des Seins.

Ein weiteres Hauptmerkmal der Designs sind neben den Laser-Cut-Outs, die klare Linienführung und dezente Transparenz in der Nähe von intimen Körperstellen. Alles zusammen soll Einblick auf das freilegen, was sich unter der Kleidung verbirgt, ohne zu viel preiszugeben.

Weitere Einsendungen :

„CLOSE.D Outfit 1“

„CLOSE.D Outfit 3“

 

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